Der Standort der DRK-Bergwachtbereitschaft Sigmaringen befindet sich mitten in Dietfurt, dem kleinen Ortsteil von Vilsingen, der unweit der Donautalstraße (Abzweigung Vilsingen) zwischen dem Bahnhof Inzigkofen und Gutenstein liegt. Das Wahrzeichen Dietfurts ist der markante mittelalterliche Bergfried. Dietfurt ist, sein Name lässt das schon erkennen, ein sehr alter Ort. An einer „Furt für das Volk“ („diet“ bedeutet schon im Althochdeutschen „Volk“) durch die Donau zu siedeln, bot viele Vorteile. Dies geschah schon in prähistorischer Zeit, Beweise finden sich in alten Grabhügeln nahe des Ortes wie vor allem in der Burghöhle, die von der Altsteinzeit bis in die frühe Neuzeit hinein ununterbrochen von Menschen genutzt wurde. Dies macht sie zu einer archäologisch hoch bedeutenden Ausgrabungsstätte. Selbst römische Funde wurden ergraben, diese weisen auf eine zumindest zeitweilige römische Nutzung des späteren Burgarreals hin. Schließlich war die Donau ja lange Nordgrenze des römischen Reiches, die es zu sichern galt. Leider sind Burghöhle und –gelände aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugänglich, dies gilt auch für den Bergfried aus dem 11. Jhdt. Die Anlage ist im Burgenführer für die Schwäbische Alb, Bd. 3, von Günter Schmitt eindrucksvoll beschrieben.
Die heutige Bergwachthütte wurde 1929 von den Mitgliedern des „Neutemplerordens“ (ONT) des Lanz von Liebenfels als Unterkunftsgebäude für ihre Treffen erbaut. Dietfurt oder, wie sie es nannten, das „Erzpriorat Staufen“ bildete bis etwa 1939 die einzige süddeutsche Niederlassung dieses von Österreich ausgehenden Männerbundes. Dieser war zwar religiös ausgerichtet, vertrat aber auch ausgeprägt rassistisches und antisemitisches Gedankengut. Er beeinflusste nachweislich den Nationalsozialismus. Die Neutempler bauten die Burghöhle zur Kultstätte aus, die sich heute noch im damals hergestellten Zustand befindet. Die ländliche Lage von Dietfurt wurde seit Beginn der 1940er Jahre von einem Ordensmitglied zur sicheren Evakuierung seiner Familie im Bombenkrieg genutzt. Nach 1945 fand eine Flüchtlingsfamilie hier ein Unterkommen, nach mehreren Jahren Leerstand übernahm 1964 die Bergwacht die Hütte und baute sie zur Rettungsstation aus.
Zwischen April und Oktober bieten wir in unregelmäßigen Abständen einen Vortrag mit Führung vor allem zur Neutempler-Thematik an, bei dem auch das Burgarreal und die Burghöhle begangen werden. Teilen Sie Ihr Interesse unter walther.paape@t-online und dem Stichwort „Führung Dietfurt“ mit, dann erhalten Sie entsprechende Termine, die Gesamtdauer beträgt etwa 75 Minuten.

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